Ergebnisse und Ausblick (aus dem Infobrief Dezember 2018)

Anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages stellte Prof. Walter Maetzler Ergebnisse und Ausblicke der TREND-Studie vor. Er ist stellvertretender Direktor der Klinik für Neurologie in Kiel und betreut von dort aus viele wissenschaftliche Projekte, die sich mit Daten aus der TREND-Studie beschäftigen.

 

Nachdem Prof. Maetzler kurz die TREND-Studie vorgestellt hatte, ging er auf einzelne prägnante Fragestellungen ein. Er erläuterte anhand einer Publikation von 2018, dass es Vorteile bringt, wenn man körperlich aktiv ist. Denn es zeigte sich, dass diese Personen dann weniger depressiv sind, und schneller und besser in ihren Denkprozessen sind. Gleichzeitig stellte sich in einer Doktorarbeit heraus, dass eine bessere Leistung im Denken mit einer fleißigen Teilnahme bei der TREND-Studie verbunden ist.

 

Viele Teilnehmer empfinden die Fragen im Fragebogen nach den sogenannten vegetativen Einschränkungen als lästig. Dies sind Funktionen des Nervensystems, die die inneren Organe versorgen und ohne bewusste Mitwirkung einer Person arbeiten. Dazu gehören z.B. Blutdruck, Harnblase, Darmfunktion oder Schwitzen. Eine weitere Doktorarbeit fand heraus, dass Personen mit einem hohen Risiko für Parkinson dabei vor allem Probleme mit dem Blutdruck und Darm bemerken und dies womöglich auf eine Vorphase von Parkinson hindeuten könnte.

Das Thema Früherkennung ist eine zentrale Fragestellung der TREND-Studie. Auch hierzu stellte Prof. Maetzler einige neue Forschungsergebnisse vor. So zeigte sich, dass einige Probleme, wie zum Beispiel beim Riechen oder im Gang, die Betroffenen früher selbst erkennen als es den Wissenschaftlern möglich ist. Zwei weitere Arbeiten, die noch im Publikationsverfahren stecken, konnten erkennen, dass es mit Hilfe von technischen Mitteln möglich ist eine Vorphase der Parkinson-Erkrankung am Gangbild zu erkennen. Dabei zeigen sich erste Gangveränderungen ungefähr 5 Jahre vor einer klinischen Diagnose.

 

Prof. Maetzler beschrieb noch weitere Ergebnisse insbesondere der Bewegungsmessung, die im letzten Infobrief ausführlich erklärt worden ist. So wurde untersucht, wodurch das Gangbild beeinflusst wird. Es konnte gezeigt werden, dass ein höheres Gewicht den Gang asymmetrischer macht und auch Krankheiten einen Einfluss darauf ausüben. Zudem stellte man sich die spannende Frage, wie sich das Gangbild über die Jahrzehnte verändert. Dabei stellte sich heraus, dass das Gehen bei Frauen recht stabil bleibt. Bei Männern jedoch kommt es im Laufe der Zeit zu einer langsameren Gehgeschwindigkeit, ihre Schrittdauer wird höher. Prof. Maetzler gab den Frauen im Saal den Rat: „ Haben Sie Geduld mit Ihrem Mann“.

 

 

 


Bewegungsmessung bei der TREND-Studie (aus dem Infobrief Juli 2018)

Seit Beginn der TREND-Studie wird jedes Mal auch eine Bewegungsmessung durchgeführt. Die Messung von Mobilität durch Technologie- gestützte Instrumente hat sich in den letzten Jahren im Bereich Sport und Fitness stark verbreitet. Die Sensoren sind mittlerweile klein genug, um in Uhren, Fitnesstracker und Handys eingebaut zu werden. Die Sensoren sind aber auch sehr interessant für die Medizin. Für den klinischen Bereich sind allerdings Sensoren mit speziellen Anforderungen notwendig, die ausführlich bewertet werden müssen und deren Wirksamkeit wissenschaftlich bestätigt werden kann. In den letzten Jahren konnten mit dieser Technik Bewegungsalgorithmen beispielsweise für Gehen, Drehungen, Aufstehen, Hinsetzen und Gleichgewichtsverhalten entwickelt werden.
Bei einer der Aufgaben wird der Proband gebeten, rückwärts zu rechnen und gleichzeitig schnell zu gehen. Vergleicht man dabei Personen mit geringerer kognitiver Umstellungsfähigkeit (Flexibilität) mit jenen, die eine hohe kognitive Flexibilität haben, findet sich beim Geradeausgehen kein Unterschied zwischen den Gruppen. Bei Drehung um die eigene Körperachse während des Gehens (also beim Wenden, was eine schwierigere Bewe-gung als Geradeausgehen ist) verhalten sich die kognitiv weniger Flexiblen aber etwas überraschend: Sie konzentrieren sich nicht wie erwartet mehr auf das Gehen, sondern mehr auf die Rechenaufgabe. Diese „Verschiebung“ der Aufmerksamkeit in die relativ unwichtige Rechenaufgabe während einer schwierigen Geh-situation könnte ein Grund für Stürze unter schwierigen Gehbedingungen darstellen und damit neue Therapiestrategien eröffnen.


Die Bewegungsmessung mit den Sensoren führen wir seit einiger Zeit nicht nur mit TREND-Teilnehmern durch, sondern immer mehr auch an Personen, die wir im Krankenhaus sehen, und z.B. an Menschen, die an Parkinson leiden. Wir führen auch zunehmend Messungen nicht mehr in der Klinik oder im Labor durch, sondern messen dort, wo wir denken, dass es für das „wahre Leben“ wirklich wichtig ist: Im häuslichen Umfeld der Betroffenen. Überraschenderweise findet man beim Vergleich von z. B. Körperbewegungen, die in der Klinik und im häuslichen Umfeld gemacht werden, oft große Unterschiede. Bei Parkinson-Patienten mit positiver Sturzanamnese und Sturzangst konnten wir auf diese Weise zeigen, dass sich das Wendeverhalten während des Gehens stark unterschei-det, je nachdem ob die Analysen zu Hause o-der in der Klinik durchgeführt wurden. Diese Ergebnisse zeigen, dass der Ort der Erfassung von Bewegungsdaten in Zukunft unser Ver-ständnis von Krankheit und Funktionseinschränkung, und damit auch unsere Therapien, relevant beeinflussen können. Wir planen, auch bei einem Teil der TREND-Teilnehmer eine derartige Erfassung im häuslichen Umfeld durchzuführen.


Die Traum-(REM)-Schlaf-Verhaltensstörung und kognitive Flexibilität (publiziert in Neurobiology of Aging Juli 2018)

Viele unserer Probanden interessieren sich für die Ergebnisse unserer neuesten Veröffentlichungen. Die aktuelle Liste der Publikationen in Fachzeitschriften und Doktorarbeiten finden Sie hier. Erst vor kurzem wurde ein Artikel von der Zeitschrift „Neurobiology of Aging“ veröffentlicht, dessen Ergebnisse wir an dieser Stelle zusammenfassen möchten:
Die Traum-(REM)-Schlaf-Verhaltensstörung stellt ein wichtiges Erkennungszeichen dar, das unter anderen einer Parkinson-Krankheit oder einer bestimmten Art von Demenz („Lewy-Körper-Demenz“) vorausgehen kann. Dabei leben Betroffene ihre oft lebhaften Träume durch starke Bewegung während des Traumes aus. Es ist außerdem bekannt, dass Parkinson-Patienten unter einer Störung der sogenannten Exekutivfunktionen leiden. Exekutivfunktionen sind geistige Funktionen, mit denen Menschen ihr eigenes Verhalten so zu steuern vermögen, dass sie sich möglichst optimal einer Situation anpassen können. Dazu zählen zum Beispiel das Setzen von Zielen, strategisches Planen einer Handlung oder Entscheiden von Prioritäten.
Aufgrund dieser beiden bereits bekannten Forschungsergebnisse wird vermutet, dass Menschen OHNE Parkinson-Krankheit, aber MIT einer REM-Schlafstörung ebenfalls eine Beeinträchtigung der Exekutivfunktion zeigen könnten. Um diese Vermutung zu untersuchen, haben wir die Ergebnisse der kognitiven Tests von 1145 TREND-Teilnehmern untersucht. Von diesen hatten 183 Teilnehmer eine REM-Schlafstörung. Es zeigte sich, dass Probanden mit einer REM-Schlafstörung bei den untersuchten Tests zu den Exekutivstörungen mehr Zeit benötigten als Probanden ohne REM-Schlafstörung.
Bei einer Untergruppe mit 544 Studienteilnehmern wurden die Daten über einen Zeitraum von 6 Jahren im Längsschnitt analysiert. Dabei konnten wir zeigen, dass Probanden mit einer REM-Schlafstörung im Laufe der Jahre zunehmend mehr Zeit für die Tests benötigten. Die Probanden ohne REM-Schlafstörung hingegen konnten im Laufe der Jahre ihre Ergebnisse verbessern bzw. ihre Ergebnisse stabil halten.
Dies alles spricht dafür, dass es einen frühen Zusammenhang zwischen der REM-Schlaf-Verhaltensstörung und einer Beeinträchtigung der Exekutivfunktion gibt. In Zukunft könnte dies bei der Früherkennung in der prodromalen Phase der Parkinson-Erkrankung (die Phase vor einer Parkinson-Erkrankung) wichtig sein.
Für Betroffene könnten sich hier langfristig frühzeitige Therapieoptionen ergeben.


Delir und Verwirrtheit nach Operationen (Infobrief Juli 2018)

Wir haben in diesem Jahr eine gesonderte Nachbefragung zum Thema „Delir“ (akute Verwirrtheit, z. B. nach einer Operation) durchgeführt um dies in Form einer Doktorarbeit zu analysieren. Wir wollen dabei herausfinden, ob und welche Delir-Symptome Vorboten von anderen Erkrankungen sein können.


WAS IST EIN DELIR?
Ein Delir ist eine akute Verwirrtheit und wird durch eine akute, organisch bedingte Beeinträchtigung im Gehirn ausgelöst. Betroffene Patienten entwickeln räumliche und zeitliche Orientierungsprobleme, sind verwirrt und haben Schwierigkeiten, angemessen auf Umweltreize zu reagieren. Delirien gehören zu den häufigen psychischen Störungen älterer Perso-nen; vor allem Personen in hohem Lebensalter sind betroffen. Delirien gehen unter anderem mit kognitiven Einschränkungen einher. Sie können die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Operation ein Delir zu erleiden, steigt mit dem Alter der Patientinnen und Patienten und mit bereits vorbestehenden kognitiven Störungen.


PAWEL-STUDIE
Die vom Innovationsfonds unterstützte PAWEL-Studie untersucht zurzeit das Auftreten von Delir im Zusammenhang mit operativen Eingriffen. Daran sind verschiedene Zentren in Baden-Württemberg beteiligt (Tübingen, Stuttgart, Karlsruhe, Ulm, Freiburg). Untersucht werden sollen dabei die folgenden Aspekte: Patientensicherheit, Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität
(PAWEL): Es geht also auch um die Reduktion des Risikos für ein Delir und somit anhaltender postoperativer kognitiver Störungen nach geplanten Operationen im Alter. Prof. Eschweiler aus Tübingen stellt die Frage, welche Zusammenhänge bei den Teilnehmenden in der TREND-Studie bezüglich früherer Delirien gefunden werden können.


Vorbeugung gegen Demenz (Infobrief Dezember 2017)